IOM-Schilddrüsenchirurgie


Veränderungen an der Schilddrüse treten in Deutschland häufig auf: Ab Mitte 40 leidet fast ein Drittel der Bevölkerung unter einer Vergrößerung der Schilddrüse. Meist stellen diese Vergrößerungen nicht wirklich ein Problem dar und können mit Medikamenten behandelt werden. Wird die Schilddrüse allerdings aufgrund bestimmter Erkrankungen übermäßig groß (Bildung eines sog. Kropfs) und beeinträchtigt wichtige Funktionen wie das Schlucken oder Atmen, oder ist die Gewebevergrößerung bösartig, so ist eine Operation meist unumgänglich. Bei diesem Eingriff werden Teile der Schilddrüse oder gar das ganze Organ entfernt.

In Deutschland gehören Operationen an der Schilddrüse inzwischen zu den Routineeingriffen; durch die stetige Verbesserung der Technik ist das Risiko für Patienten sehr gering. Durch die Überwachung des Stimmbandnervs mit Hilfe des intraoperativen Neuromonitorings (IOM) lässt sich zudem das Risiko von bleibenden Nervschädigungen weitgehend ausschließen. Von inomed wurden hierfür verschiedene Technologien entwickelt, die eine maximale Sicherheit der Patienten garantieren.

Anatomie der Schilddrüse

Die Schilddrüse ist eine Hormondrüse, deren Funktion darin besteht, Jod zu speichern und die jodhaltigen Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) sowie Calcitonin zu bilden. Diese Hormone haben wichtigen Einfluss auf den Energiestoffwechsel.

Die Schilddrüse befindet sich unterhalb des Kehlkopfs vor der Luftröhre. Sie ist schmetterlingsförmig mit zwei großen Seitenlappen und einem Verbindungsstück aus Bindegewebe in der Mitte. In enger Nachbarschaft zur Schilddrüse verlaufen wichtige Strukturen wie der Stimmbandnerv sowie Abgänge der Halsschlagader, die während einer Operation geschützt werden müssen.

Bei einer einseitigen Schädigung des Stimmbandnervs kann es zu einer Veränderung der Stimme und zu Heiserkeit kommen. Bei beidseitiger Schädigung des Nervs kann sogar eine Atemnot auftreten, welche für den Patienten lebensgefährlich sein kann. Mit den von inomed entwickelten Technologien wird der gefährdete Stimmbandnerv während der Operation fortlaufend überwacht und somit das Risiko einer Schädigung reduziert.

Durchführung

Eingriffe an der Schilddrüse werden unter Vollnarkose durchgeführt und dauern zwischen ein und zwei Stunden. Über einen ca. 4-5 cm langen Schnitt knapp oberhalb des Brustbeins zwischen den vorderen Halsmuskeln (Kragenschnitt) erhält der Chirurg Zugang zur Schilddrüse. Die Halsmuskeln werden dabei nicht durchtrennt, sondern nur zur Seite geschoben. Wenn die Schilddrüse freiliegt, werden die kranken Gewebeanteile entfernt und meist noch vor Ort untersucht. Anschließend wird die Wunde vernäht.

Intraoperatives Neuromonitoring

Die Überwachung des Stimmbandnervs während der Operation kann mit drei verschiedenen Methoden erfolgen: 

  • über eine Klebeelektrode (Tubus-Klebeelektrode), die direkt auf den Beatmungsschlauch aufgeklebt wird und die Nervensignale über den den Kontakt zum Stimmbandmuskel aufnimmt;
  • durch Anbringen von Nadelelektroden (Vokaliselektrode) direkt im Stimmbandmuskel, durch den Chirurgen.


Der Arzt stimuliert während der Operation den Stimmbandnerv, welcher für den Stimmbandmuskel zuständig ist mit kleinen elektrischen Impulsen über eine Handsonde.


Die Tubus-Klebeelektrode oder die Vokaliselektrode nimmt Bewegungen des Muskels auf, die für den Chirurgen sowohl optisch (auf einem Monitor) als auch akustisch (über Signaltöne) dargestellt werden. So kann der Chirurg sowohl sehen als auch hören, wie weit er mit seinen Instrumenten noch vom Stimmbandnerv entfernt ist, sodass es zu keiner Verletzung dieser Struktur während des Eingriffs kommt.

Kontinuierliche Stimulation

Besonders sicher für den Patienten und komfortabel für den Chirurgen ist der Einsatz der tripolaren Vagus-Stimulationselektrode V3 von inomed, die – im Unterschied zu den anderen genannten Verfahren – eine kontinuierliche Stimulation des Nervs über die gesamte Operationsdauer ermöglicht. Über die tripolare Vagus-Stimulationselektrode, die in der Nähe des Vagus-Nervenstrangs angelegt wird und so eine Stimulation des (zu diesem Nervenstrang gehörenden) Stimmbandnervs über die gesamte Nervenstrecke ermöglicht.

Diese erleichtert nicht nur die Überwachung, sondern bringt zusätzliche Sicherheit in allen Phasen des Eingriffs. Sollte eine Belastung des Nervs auftreten, kann der Chirurg rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten, bevor es zu einer Schädigung kommt.

Nach der Operation

Bereits am Tag nach der Operation kann der Patient normalerweise schon wieder essen und trinken; nach fünf Tagen werden die Fäden gezogen und der Patient kann das Krankenhaus verlassen. Danach ist eine Schonung der betroffenen Region sehr wichtig: Besonders Tätigkeiten, welche die Hals-, Schulter- oder Armmuskulatur belasten, sollten vermieden werden. Meist ist nach der Operation eine medikamentöse Hormontherapie erforderlich, außerdem sollten in regelmäßigen Abständen Nachuntersuchungen durchgeführt werden.

Wann ist eine Operation nötig?

Es gibt verschiedene Erkrankungen, bei denen es notwendig ist, einen Teil der Schilddrüse oder gar das komplette Organ zu entfernen. Dazu gehören:

  • Morbus Basedow (Kropfbildung)
  • Entzündungsbedingte Vergrößerung
  • Tumore (sowohl gutartig als auch bösartig)
  • Kalter Knoten (bildet wenig bis gar keine Hormone)
  • Heißer Knoten (bildet vermehrt Hormone)